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Eurosky - DIE Bluesky-Alternative aus Europa - Digital Independence Day #8

Eurosky - DIE Bluesky-Alternative aus Europa - Digital Independence Day #8

Digital Independence Day, achte Ausgabe. Diesmal muss ich einen Fehler zugeben — und erklaeren, warum ausgerechnet ein niederlaendischer Stiftungsserver mich zurueck in ein Oekosystem gebracht hat, das ich vor einem knappen Jahr verlassen habe.

Eurosky - DIE Bluesky-Alternative aus Europa - Digital Independence Day #8 | MeTacheles Tonspur | Episode 224
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Fangen wir mit dem unangenehmen Teil an. Ich habe mein Bluesky-Konto zu Eurosky migriert. Wer mir in den letzten Monaten zugehoert hat, darf an dieser Stelle kurz die Augenbraue heben... ich habe auf so ziemlich alles draufgehauen, was sich im Universum des AT-Protokolls bewegt hat. Alles ueber einen Kamm geschoren. Das haette so nicht sein duerfen. Aber der Reihe nach...

Warum ich Bluesky ueberhaupt verlassen habe

Im vergangenen Herbst schlug die Trump-Administration auf Bluesky auf. Sehr orchestriert, sehr geschlossen — und Bluesky verifizierte die Konten praktisch im Minutentakt. Das war ein Statement, und zwar ein deutliches nach dem Motto: Ihr wisst schon, dass ihr eine US-amerikanische Firma seid, oder?

Schlimmer war fuer mich aber die Kapitalseite. Ueber hundert Millionen US-Dollar Finanzierung, eingesammelt unter anderem bei Krypto-Investoren. Dieses Geld will irgendwann zurueck. Und wenn Geld zurueckwill, wird aus einem sozialen Netzwerk ein Extraktionsapparat. Das ist keine Boshaftigkeit, das ist schlicht Betriebswirtschaft einer Branche, die jetzt nicht unbedingt dafuer bekannt ist, nachhaltige und serioese Finanzinstrumente bereitszustellen!

Als jemand, der diesen Krypto Schwachsinn vor knapp 10 Jahren selber einmal abgefeiert hat, wohlgemerkt aus reiner Gier, gingen da bei mir wirklich saemtliche Alarmsirenen an... das kann nicht nicht funktionieren!

Der europaeische Gegenentwurf, der keiner ist

Bevor wir zu Eurosky kommen, muessen wir kurz ueber W Social reden. Und ich will fair bleiben: Das Team hat schnell etwas gebaut, es hat in Bruessel extrem erfolgreich lobbyiert, und Konten von Europaparlamentarier:innen liegen dort tatsaechlich und das gar nicht zu knapp! Wer eine europaeische Alternative fordert und dann meckert, wenn jemand eine baut, macht es sich zu einfach. Juti... das erkenne ich durchaus an!

Nur — schaut man auf die Protokollebene, wird es duenn. Sehr duenn. Bei rund zwanzigtausend Konten haben ueber neunzig Prozent nie einen einzigen Beitrag abgesetzt. Bleiben etwa fuenfzehnhundert Accounts, die ueberhaupt mal etwas gepostet haben. Waehrend der Podcast-Aufnahme habe mir den Live-Stream angeschaut: vierzig Sekunden Beobachtung, in denen Likes, Postings, neue Konten, Follows und Profilaenderungen durchlaufen muessten. Es passierte nichts. Null Events!

Zum Vergleich, gleiche Uhrzeit, morgens um halb fuenf europaeischer Zeit, auf Eurosky: achtundsiebzig Events in vierzig Sekunden. Bei gerade einmal fuenftausend Konten mehr und wir anhand der oben eingefuegten Screenshots erkennen koennt... auch nach 10 Minuten sah das nicht besser aus. Eurosky produziert etwas 20 mal so viele Aktivitaeten wie Wsocial, das im direkten Vergleich wie ein Geisterstadt wirkt.

Dazu kommen Dinge, die ich nicht wegdiskutieren kann. Auf der Website wurden ueber Wochen Screenshots von Postings gezeigt, deren Reposts, Likes und Antworten hochgezogen waren. Bei der Anmeldung sollen Ausweisdaten hinterlegt werden — was praktischerweise fuer sehr zielgruppengerechte Werbung taugt, denn monetarisiert werden soll spaeter. Und auf einer KI-Konferenz in Monaco sprach die Geschaeftsfuehrung ausfuehrlich ueber die Marketingmilliarden, die in Europa unterwegs seien und die man doch nur abgreifen muesse. Es war das einzige Video dieser Konferenz das, nachdem es hochgeladen wurde, auch wieder auf einmal verschwunden war.... ich aergere mich bis heute, dass ich es nicht heruntergeladen habe!

Was Eurosky anders macht

Eurosky ist keine Plattform. Es ist Infrastruktur — betrieben von der niederlaendischen Modal Foundation, die Personal Data Server stehen bei Hetzner in der EU. Seit kurzem gibt es mit mu.social auch eine eigene App als Einstiegspunkt, so wie man frueher einfach auf Bluesky gegangen ist.

Die Migration hat zu neunundneunzig Prozent funktioniert. Ein paar Postings kamen nicht sauber mit, dafuer habe ich online ein Tool gefunden, das den Rest glattgebuegelt hat. Konto, Beitraege, Followerinnen und Follower, meine eigene Folgeliste — alles da.

Der praktische Grund fuer den Wechsel ist banal und trotzdem entscheidend: In der Atmosphaere sitzen viele US-amerikanische Kolleginnen und Kollegen, deren Arbeit ich fuer meine Aufbereitung von US-News brauche. Ohne sie musste ich immer wieder auf Twitter zurueck. Jetzt kann ich das innerhalb des AT-Protokolls machen — und meine Daten liegen trotzdem unter europaeischem Recht statt unter dem US Cloud Act.

Die Zahl, die mich nachdenklich macht

Jetzt die ehrliche Bilanz, und die faellt nicht zugunsten der Atmosphaere aus. Ich habe knapp neuntausend Follower im ATProto-Universum und rund siebzehntausend im Fediverse. Also grob Faktor zwei. Die Reichweite meiner Inhalte, also Klicks auf Artikel und Podcast, liegt im Fediverse aber um den Faktor drei bis vier hoeher.

Anekdotische Evidenz, klar, das ist keine Studie. Aber der Mechanismus ist erklaerbar. Im Fediverse existiert dieser Gedanke noch: Hier ist mein neues Ding, ich wuerde mich freuen, wenn ihr das in eurem Netzwerk verteilt. Und die Leute tun es. Auf Bluesky herrscht immer noch stark diese klassische Social-Media-Mentalitaet aus Twitter-Zeiten — man vertraut darauf, dass der Algorithmus die Inhalte schon ausspuelt.

Die Bruecke ist der eigentliche Punkt

Der wichtigste Grund fuer meinen Wechsel steht aber gar nicht in der Nutzerstatistik. Es gibt seit kurzem eine gemeinsame Erklaerung von einem Dutzend Traegerorganisationen, den European Social Stack, zu finden unter european.social. Unter den Gruendungsunterzeichnern: Eurosky, Mastodon, die Modal Foundation, die Matrix Foundation, Framasoft und PeerTube — und Save Social, wo ich mich selbst engagiere. Inzwischen haben zweiundneunzig Organisationen und ueber fuenfhundert Einzelpersonen unterschrieben... inkl des Techbloggers eures Vertrauens!

Der Kern: Schluss mit dem Protokollkrieg. ActivityPub, Atmosphere und Private Messaging via Matrix oder XMPP sind komplementaere Loesungen fuer Europa, keine Konkurrenten. Und daraus folgt das Konkreteste an der ganzen Erklaerung: die Eurobridge, eine europaeisch betriebene Bruecke zwischen Fediverse-Servern und der Atmosphaere.

Stellt euch das vor wie E-Mail. Ralf aus Recklinghausen hat seine Adresse bei web.de, seine Tochter bei Gmail, ich meine bei MeTacheles. Kommt trotzdem alles an. Niemand kaeme auf die Idee, dafuer drei Postfaecher zu fuehren und sich in Foren darueber zu streiten, welches Protokoll das ueberlegene ist.

Nur das muss nun auch umgesetzt und dann mit allem Zipp und Zapp gefeiert werden... Seht hier, es funktioniert. Eine Allianz offener Standards und der diversen Brueckenprojekte ist moeglich und es tut uns allen gut, wenn diese Plattformen nicht von ner handvoll Techbros aus dem Silicon Valley oder China kontrolliert werden!

Also...

Ich weiss nicht, ob Eurosky sich haelt. Die Finanzierung ist duenn, die Governance-Struktur verdient noch harte Fragen, und ein Teil der Moderation haengt weiterhin an Bluesky. Aber das Projekt gefaellt mir, und meine pauschale Verurteilung von allem, was AT-Protokoll heisst, war schlicht zu harsch und hatte zu rigorose Fediverse-"Blickwinkelkonzentratoren" in den verbalen Battle gefuehrt. Das war ein Fehler!

Und genau deshalb meine Bitte und ganz persoenliche Empfehlung:

Wenn ihr ein Bluesky-Konto habt: wechselt einfach rueber. Fuer euch aendert sich im Alltag nichts. Nur liegen eure Daten danach bei einer europaeischen Organisation auf europaeischen Servern — und damit ausserhalb der Reichweite des US Cloud Act.

Hier koennt ihr wechseln:

EU-HAUL - Start Account Migration

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Bleibt gesund!

Sascha

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