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Das Wunder von Austin: Wie Tesla in Q2 2026 fast in die Verlustzone faehrt

Das Wunder von Austin: Wie Tesla in Q2 2026 fast in die Verlustzone faehrt

1,4 Prozent operative Marge. Mehr hat Tesla im zweiten Quartal 2026 nicht verdient — bei Rekordumsatz und dem groessten Auftragsbestand seit drei Jahren. Ein Autokonzern, der ausliefert wie fast nie zuvor und daran praktisch nichts verdient... die Boerse hat es sofort verstanden: Tesla stuerzt seit Tagen ab und das kommt nicht unerwartet!

Tesla bricht ein - Viel verkauft und nichts verdient! | MeTacheles Tonspur | Episode 223
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Prolog

Stellt euch vor, Ralf aus Recklinghausen erzaehlt euch am Gartenzaun: "Bestes Quartal aller Zeiten! Mehr verkauft als je zuvor in einem zweiten Quartal!" Und dann fragt ihr: "Und, was bleibt haengen?" Und Ralf schaut auf seine Schuhe und murmelt: "1,4 Prozent. Vor Sondereffekten eigentlich fast nichts."

Genau das ist Tesla im zweiten Quartal 2026 passiert. Und weil diese Geschichte so viel ueber den Zustand des gesamten Musk-Imperiums erzaehlt, nehmen wir sie heute komplett auseinander.

Die Zahlen, die Tesla euch zeigt

Fangen wir mit dem an, was die PR-Abteilung in Austin auf die Folien geschrieben hat, nachzulesen im offiziellen Q2-Shareholder-Deck und der Auslieferungsmeldung an die SEC:

480.126 ausgelieferte Fahrzeuge, ein Rekord fuer ein zweites Quartal. Umsatz 28,2 Milliarden Dollar, plus 26 Prozent gegenueber dem Vorjahr und klar ueber den Analystenerwartungen von rund 26 Milliarden. Dazu 13,5 Gigawattstunden installierte Energiespeicher, das zweitbeste Quartal der Firmengeschichte. CFO Vaibhav Taneja meldet im Earnings Call den groessten Auftragsbestand seit 2023.

Klingt nach Party, oder? Die Boerse hat trotzdem den Stecker gezogen: minus 1,3 Prozent im regulaeren Handel, nochmal rund 4 Prozent nachboerslich. Warum? Weil unter der Umsatzzeile das eigentliche Drama beginnt und sich dies auch in naechsten Tagen an der Boerse fortsetzte:

Entwicklung seit dem 22. Juli, dem Tag der Quartalszahlen

1,4 Prozent Operative Marge

Der Gewinn pro Aktie (Non-GAAP) lag bei 0,33 Dollar. Die Wall Street hatte je nach Konsensquelle zwischen 0,49 und 0,53 Dollar erwartet, eine Verfehlung von ueber 30 Prozent. Das bereinigte Nettoergebnis fiel laut Financial Times um 17 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar, erwartet waren 1,9 Milliarden.

Aber die wirklich brutale Zahl steht eine Etage tiefer: Das operative Ergebnis brach um 57 Prozent auf 398 Millionen Dollar ein und verfehlte damit den Analystenkonsens laut Motorhead um sagenhafte 74 Prozent. Bei 28,2 Milliarden Umsatz ist das eine operative Marge von 1,4 Prozent, nach 4,1 Prozent im Vorjahresquartal, wie auch CNBC vorrechnet. Und das Bitterste daran: Die Auslieferungen lagen nur 2,9 Prozent unter dem Allzeit-Rekordquartal Q3 2025. Tesla faehrt also praktisch Vollauslastung und verdient trotzdem fast nichts. Naeher kommt man der Verlustzone nicht, ohne sie zu betreten.

Das seit Jahren wiederholte Mantra, welches den Vorteil der vertikalen Integration "bemurmelte", bricht immer heftiger in sich zusammen!
Deutsche E-Auto-Prämie: Tesla vereinigt bisher die meisten Anträge auf sich - electrive.net
Deutschland will mit seiner diesjährig eingeführten E-Auto-Förderung die Zulassung von circa 800.000 E-Autos, Plug-in-Hybriden und Range Extendern fördern.

Zur Einordnung: Das ist keine Tech-Marge. Das ist nicht mal eine gute Autobauer-Marge. Das ist die Marge eines Unternehmens, das seine Rekordauslieferungen teuer erkauft hat. Womit? Mit Rabatten. RBC-Analyst Tom Narayan sagt gegenueber der FT, ein Grossteil der starken Auslieferungen sei schlicht ueber niedrigere Preise erkauft worden. In Deutschland konnten wir das live beobachten: Tesla kombinierte einen hauseigenen 2.000-Euro-Bonus mit einer Null-Prozent-Finanzierung, und obendrauf kam die neue staatliche E-Auto-Praemie, bei der Tesla als Einzelmarke die meisten Antraege auf sich vereint. Katsching fuer den Kaeufer, aber nicht fuer Tesla, die mit dieser Marge gut 1% unter der liegen, die Aldi UK fuer das Jahr 2024 reportet hat. ALDI!!!

Der Analysedienst Motorhead von Brad Munchen liefert die Detailrechnung: Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Fahrzeug fiel gegenueber dem Vorquartal um 2,7 Prozent auf 41.871 Dollar, waehrend die Stueckkosten leicht stiegen. Die Auto-Bruttomarge ohne Regulierungsgutschriften lag bei 16,3 Prozent, Analysten hatten laut FT 18,7 Prozent erwartet. Tesla selbst verweist darauf, dass die Marge "bereinigt um Einmaleffekte aus Q1" ungefaehr stabil gewesen waere. Uebersetzt: Trotz eines Auslieferungssprungs von 34 Prozent gegenueber dem Vorquartal ist bei der Marge nichts, aber auch wirklich gar nichts haengen geblieben. Skaleneffekte sehen anders aus und das seit Jahren wiederholte Mantra, welches den Vorteil der vertikalen Integration "bemurmelte", bricht immer heftiger in sich zusammen!

Und dann waere da noch das leise Sterben einer alten Gelddruckmaschine: Die Einnahmen aus dem Verkauf von Emissionsgutschriften an Wettbewerber fielen von 439 auf 146 Millionen Dollar. Die Trump-Regierung hat die 7.500-Dollar-Steuergutschrift gestrichen und die Emissionsvorgaben geschleift, damit versiegt ein Erloesstrom, der Tesla ueber die Jahre viele Milliarden praktisch ohne Gegenleistung in die Bilanz gespuelt hat. Die Ironie, dass ausgerechnet der Mann, der dieser Regierung mit seiner DOGE-Episode den Weg bereitet hat, jetzt die Rechnung dafuer in seiner eigenen Quartalsbilanz findet, muss man nicht weiter kommentieren. Die FT tut es trotzdem und zieht die Linie explizit: Der US-Absatz bleibt gedrueckt, seit Musks Regierungsrolle die Kundschaft verprellt hat.

Treppenwitz der Geschichte

Energie, lange der heimliche Star der Bilanz, liefert das naechste Problem: Die Bruttomarge der Sparte stuerzte von 39,5 auf 20,4 Prozent ab, wegen chinesischer Konkurrenz, US-Zoellen auf importierte LFP-Zellen und einer Garantie-Nachbuchung von 240 Millionen Dollar fuer fehlerhafte Zulieferer-Zellen. Motorhead rechnet vor: Ohne diesen Einmaleffekt haette die Sparte sogar nur 12,7 Prozent Marge erreicht und wenn man bedenkt, dass diese Sparte 2025 noch ueber ein Fuenftel des Konzern-Bruttogewinns lieferte... wie kann ich des am diplomatischsten ausdruecken? Ich versuche es erst gar nicht, sondern haue ein kerniges "Tesla is fucked!" in die Runde!

Der SpaceX-Rettungsring

Jetzt wird es richtig interessant, denn jetzt kommen wir zu der Stelle, an der sich das Musk-Imperium selbst an den Haaren aus dem Sumpf zieht. Muenchhausen laesst gruessen!

Der GAAP-Nettogewinn fiel nur um rund 5 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar. Moment. Das operative Ergebnis bricht um 57 Prozent ein, aber der Nettogewinn nur um 5 Prozent? Wie geht das?

Antwort: Taneja erwaehnt es im Call fast beilaeufig. Ein Mark-to-Market-Buchgewinn von einer Milliarde Dollar auf die SpaceX-Beteiligung, die Tesla Anfang des Jahres im Rahmen eines "Investments und Framework Agreements" eingegangen ist. SpaceX ging im Juni an die Boerse, der Kurs zum Stichtag 30. Juni stand entsprechend hoch, und schwupps steht eine unrealisierte Milliarde im Nettoergebnis. Ohne diesen Buchgewinn laege der Nettogewinn bei rund 350 Millionen Dollar, ein Minus von etwa 70 Prozent gegenueber dem Vorjahr.

Und jetzt der Clou, den ich in meiner SpaceX-Analyse zum Boersengang bereits skizziert hatte: Die SpaceX-Aktie ist seit dem 30. Juni um ueber ein Viertel gefallen und notiert inzwischen unter ihrem Ausgabepreis von 135 Dollar. Ein erheblicher Teil dieses Buchgewinns ist also heute schon wieder Makulatur, er wird in Q3 als Buchverlust zurueckkommen. Tesla stuetzt sein Ergebnis mit dem Papierwert einer Beteiligung an einer anderen Musk-Firma, deren Kurs bereits kollabiert, waehrend SpaceX seinerseits laut Earnings Call fleissig Megapacks bei Tesla kauft, Cybertrucks abnimmt und mit Tesla das Terafab-Joint-Venture samt "Cortex 2"-Supercomputer hochzieht!

Die Firmen sind Kunde, Lieferant, Investor und Bewertungsstuetze fuereinander, gleichzeitig. Im Call nach einer Fusion gefragt, sagte Musk sinngemaess, so etwas koenne man nicht auf einem Earnings Call besprechen, dafuer brauche es den angemessenen Prozess, und uebergab an den General Counsel, der laut Motorhead zum ersten Mal ueberhaupt auf einem Tesla-Call auftrat und inhaltlich wenig mehr beitrug, als dass SpaceX viel bei Tesla einkaufe. Als Synergie-Beleg nannte Musk dann Starlink-Antennen in den Robotaxis. Das ist kein Dementi. Das ist eine Ankuendigung mit Anwaltsbegleitung.

SpaceX Boersengang – Der groesste Bankraub der Geschichte
Diesen Monat geht SpaceX an die Boerse und es wird wohl der groesste Boersengang der Geschichte! Aber nicht nur das..., denn wenn alles glatt laeuft, dann wird dadurch Elon Musk zum ersten Billionaer ueberhaupt. Was aber noch viel gruseliger ist: Millionen Amerikaner werden SpaceX-Aktionaere – ohne eine einzige Aktie aktiv

Wer meine SpaceX-Recherche kennt, erkennt das Muster: Twitter wird nach dem Wertverfall in xAI eingebracht, xAI spaeter in SpaceX, jede Fusion erzeugt auf dem Papier neuen Wert, waehrend operativ Geld verbrannt wird. Tesla waere die logische naechste Karte in diesem Haus. Nur dass Tesla, anders als Neuralink und Boring Company, jedes Quartal Zahlen vorlegen muss. Deshalb koennen wir auch, mit ordentlich Popcorn in der Hand, diesem Clusterfuck an Luftschloessern dabei zusehen, wie sie langsam aber sicher wegploppen.

380.000 Meilen ueber dem Meer

Kommen wir zur Zukunftserzaehlung, die den ganzen Laden bei einem Kurs-Gewinn-Verhaeltnis von weit ueber 170 zusammenhaelt. Denn eines muss man festhalten: Bei diesen Margen rechtfertigt sich Tesla nicht mehr als Autobauer. Die Bewertung haengt komplett an Robotaxi, Optimus und FSD... bzw. wie Frank Thelen, die deutsche Cathie Wood, es sagen wuerde: "Fully Self Driving":

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Im Call verkuendete Musk seinen inzwischen beruehmten Satz, viele Kunden kauften im Grunde "Full Self-Driving mit einem Auto dran" statt umgekehrt. KI-Chef Ashok Elluswamy nannte das Robotaxi-Wachstum "buchstaeblich exponentiell" und legte die zentrale Zahl vor: 380.000 ueberwachungsfreie Meilen, ueber sechs Staedte in zwei Bundesstaaten, seit Jahresbeginn, mit "null nennenswerten Vorfaellen".

Halten wir diese Zahl mal neben die Konkurrenz. Waymo weist auf seinem offiziellen Safety-Dashboard 220,6 Millionen fahrerlose Meilen bis Maerz 2026 aus und faehrt aktuell Groessenordnung eine halbe Million bezahlte Fahrten pro Woche. Teslas 380.000 Meilen sind davon weniger als 0,2 Prozent. Motorhead setzt noch einen internen Vergleich obendrauf: Die "ueberwachungsfreie" Flotte schafft nicht mal ein Drittel dessen, was Teslas eigene ueberwachte Robotaxis in ihren ersten sechs Monaten pro Monat fuhren. Das ist nicht die fruehe Phase einer Exponentialkurve. Das ist ein Pilotprojekt, das als Revolution verkauft wird. Electrek brachte es in einer Ueberschrift auf den Punkt: Tesla sagt, Robotaxi expandiere, die eigene Grafik zeigt das Gegenteil.

Tesla says ‘Robotaxi’ is expanding — its own chart shows it’s not
Tesla’s Q2 2026 update touts Robotaxi expansion, but quarter-over-quarter paid miles from its own chart were flat: roughly 900,000 in Q1 and Q2 alike.

Und die FSD-Erzaehlung selbst? Trotz 56 Prozent Wachstum bei den zahlenden FSD-Kunden liegt der durchschnittliche Fahrzeugpreis gerade mal 1,2 Prozent ueber Vorjahr. Die angebliche Software-Gelddruckmaschine schafft es nicht mal, die Rabattschlacht im Blech auszugleichen. Dazu kommt das Elefantenthema, das im Call komplett fehlte: Motorhead dokumentiert eine Haeufung von Robotaxi-Unfaellen, laufende Ermittlungen der Verkehrsaufsicht inklusive, und argumentiert, dass genau das die Abo-Kurve kippen koennte. Ob man seiner bearishen Deutung folgt oder nicht: Dass Musk und sein KI-Chef das Sicherheitsthema mit keinem Wort von sich aus adressierten, waehrend sie 99,999999 Prozent Zuverlaessigkeit als Ziel ausriefen, spricht fuer sich.

Motorhead legt noch einen drauf und behauptet, die am drittstaerksten hochgevotete Aktionaersfrage auf Say.com, warum Tesla nun drei Quartale in Folge die eigene Robotaxi-Guidance gerissen habe, sei im Call komplett umschifft worden. Das kann ich nicht unabhaengig verifizieren, aber der Blick ins Transkript stuetzt zumindest den Kern: Eine Antwort auf genau diese Frage findet sich dort nicht. Stattdessen die "March of Nines"-Rhetorik, also das Mantra, nur die Zuverlaessigkeit, niemals die Nachfrage begrenze das Wachstum. Und die FT haelt nuechtern fest, was Musk zwischen all den Superlativen ebenfalls einraeumen musste: Nennenswerter Robotaxi-Umsatz kommt fruehestens naechstes Jahr... wobei ich mir da aufgrund der aktuellen Berichterstattung noch nicht wirklich so sicher bin:

Tesla self-driving manager describes scary conditions in robotaxi testing
A former Tesla manager says his understaffed Houston ‘Full Self-Driving’ test fleet became ‘rolling hazards on public streets’ in a new lawsuit.

Bei Optimus dasselbe Muster in groesser: "das groesste Produkt aller Zeiten", aber im selben Atemzug die Warnung, es gebe keinerlei bestehende Lieferkette, jedes Teil sei neu, der Hochlauf werde der schwierigste der Firmengeschichte. Fuer Optimus 4 nennt Musk "aspirational" zehn Millionen Einheiten pro Jahr. Zur Erinnerung: Von Optimus 3 ist bislang keine einzige Serieneinheit ausgeliefert. Wer im Call auf konkrete Umsatzstroeme hoffte, bekam stattdessen Visionen.

Der Konzern, dessen Kerngeschaeft kaum noch Gewinn abwirft und dessen Zukunftsgeschaefte auf Jahre keinen relevanten Umsatz liefern, ruestet sich dafuer, zusaetzlich zum eigenen Cash zweistellige Milliardenbetraege an Fremdkapital zu verbrennen!

30 Milliarden auf Pump

Und womit wird dieser Umbau bezahlt? Der Capex hat sich im Quartal gegenueber dem Vorjahr auf 5,79 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt, fuers Gesamtjahr sind ueber 25 Milliarden angesetzt, fast das Dreifache von 2025. Taneja kuendigt an, die Ausgaben wuerden "die naechsten zwei bis drei Jahre" weiter steigen. Die Folge steht bereits in der Bilanz: minus 1,1 Milliarden Dollar Free Cashflow, der erste Cash-Burn seit ueber zwei Jahren.

Musk nennt das im Call, mit erkennbarem Stolz, "den schnellsten industriellen Scale-up seit dem Zweiten Weltkrieg in Amerika" und rechtfertigt die Summen mit den ueber 725 Milliarden Dollar, die Big Tech dieses Jahr in KI-Infrastruktur steckt. Auf die Frage nach der Kapitaleffizienz antwortet er, man nehme bewusst geringere Effizienz in Kauf, wenn es dafuer schneller gehe, und bescheinigt sich selbst eine Effizienz, die "off-scale good" sei. Wohlgemerkt in einem Quartal mit 1,4 Prozent operativer Marge... Altobelli, das muss man sich auch erstmal trauen. Hut ab!

Dazu kommt: Tesla hat sich Kreditfazilitaeten ueber bis zu 30 Milliarden Dollar gesichert. Motorhead weist ausserdem darauf hin, dass selbst die aktuellen Rekordausgaben noch unter Plan liegen, der Cash-Burn duerfte im zweiten Halbjahr also deutlich anziehen. Sprich: Der Konzern, dessen Kerngeschaeft kaum noch Gewinn abwirft und dessen Zukunftsgeschaefte auf Jahre keinen relevanten Umsatz liefern, ruestet sich dafuer, zusaetzlich zum eigenen Cash zweistellige Milliardenbetraege an Fremdkapital zu verbrennen. Das kann aufgehen. Es kann auch der Moment sein, an dem das Kartenhaus angefangen hat, sich selbst zu beleihen.

Was die Kultisten jetzt einwenden werden. Zu Recht!

Bevor jemand in die Kommentare rennt: Ja, es gibt eine Gegenrechnung, und die verdient den ehrlichen Blick.

Also... Die Musk-Hasskappe mal kurz abnehmen und sich selbst hinterfragen:

Erstens: Die Nachfrage ist real zurueck. 480.126 Auslieferungen sind kein Buchungstrick, das Model Y bricht Rekorde in mehreren Maerkten, Europa waechst kraeftig, und der groesste Auftragsbestand seit 2023 ist ein hartes, ueberpruefbares Signal, das nicht allein an Rabatten haengen kann.

Zweitens: FSD monetarisiert tatsaechlich. 1,48 Millionen zahlende Kunden, 55 Prozent der Nordamerika-Auslieferungen mit aktivem Abo bei Uebergabe, das ist ein wachsender, wiederkehrender Umsatzstrom mit Softwaremargen, den kein anderer Autobauer hat.

Drittens: Die Service-Sparte fuhr mit 14,1 Prozent eine Rekordmarge ein, die Energie-Sparte hat trotz Margendrucks das zweitbeste Auslieferungsquartal ihrer Geschichte abgeliefert, und der Speicherbedarf der KI-Rechenzentren ist ein realer, explodierender Markt.

Viertens: Tesla geht mit mehr Cash als Schulden in diesen Investitionszyklus. Wer glaubt, dass Robotaxi und Optimus auch nur teilweise liefern, fuer den ist genau jetzt der Moment zu investieren, bevor die Konkurrenz es tut. Amazon hat ueber Jahre genau so ausgesehen... das muss man einfach anerkennen, auch wenn ich dieses vermeintliche Killerargument nur mehr schwerlich verdauen kann.

Aaaaaber... sie hat drei Sollbruchstellen!

Amazon hat waehrend seiner Investitionsphase ein funktionierendes Kerngeschaeft mit klarer Stueckoekonomie skaliert; Teslas Kerngeschaeft waechst nur ueber den Preis, waehrend die Zukunftsprodukte, anders als AWS damals, keine zahlenden Kohorten in relevanter Groesse vorweisen: 380.000 Meilen gegen 220 Millionen bei Waymo sind ein Rueckstand von zwei Groessenordnungen beim einzigen Produkt, das die Bewertung traegt. Zweitens rettet der FSD-Umsatzstrom, siehe oben, nicht mal die Fahrzeugpreise, geschweige denn die Konzernmarge. Und drittens: Amazon musste sein Quartalsergebnis nie mit dem Aktienkurs einer Schwesterfirma des eigenen CEO stuetzen.

Musks Visionen waren nie das Produkt. Das Produkt haben Ingenieure gebaut, die nicht mehr da sind!

Ich hab es euch doch gesagt... und jetzt sagt es auch ein Ex-Tesla-VP!

Wer MeTacheles laenger liest, weiss: Die Diagnose dieses Quartals steht hier seit Jahren. Veraltetes Produktportfolio, keine echte technologische Erneuerung, und ein Wettbewerb, der brutal geworden ist. Ich wurde dafuer regelmaessig in den Kommentaren als Dauerpessimist abgewatscht. Nun sagt es einer, der es aus dem Maschinenraum kennt: Karim Bousta, Mitgruender von DVx Ventures, davor Vice President bei Tesla und Lyft, hat in einem TV-Interview nach den Zahlen genau diese drei Punkte seziert.

Es ist recht ueberschaubar. De facto verkauft Tesla genau ein Produkt: das Model Y!

Erstens, das Portfolio: Tesla verkaufe im Kern immer noch die Plattform, die vor fast zehn Jahren mit dem Model 3 startete. Ein Facelift des Model Y ist keine Innovation, es ist Instandhaltung.

Zweitens, die Marktanteile: Selbst das vermeintliche Comeback-Quartal sei in Wahrheit ein Rueckschritt, weil der EV-Gesamtmarkt schneller waechst als Teslas Verkaeufe. Wachsen und gleichzeitig Marktanteile verlieren, das ist Zurueckfallen in Zeitlupe.

Drittens, die Konkurrenz: Wettbewerber bauen inzwischen Produkte mit besseren Margen und besseren Produktionssystemen, als Tesla sie heute hinbekommt. Alles Saetze, die seit Jahren in meinen Artikeln stehen, nur dass sie jetzt von dem Mann kommen, der Teslas weltweites Servicegeschaeft aufgebaut hat.

Und Bousta liefert noch zwei Punkte, die meine Thesen flankieren. Zu Optimus stellt er die Fragen, die im Earnings Call niemand stellte: Welches Problem loest das Produkt, wo ist der Markt, wer soll das kaufen, und womit will eine Firma ohne jede Robotik-Lieferkette so etwas skalieren? Zum Robotaxi erinnert er daran, dass selbst nach geloester Autonomie erst das eigentliche Geschaeft beginnt: Flottenpositionierung, Auslastung, Unit Economics, alles Dinge, fuer die Uber und Lyft ein Jahrzehnt gebraucht haben, waehrend Waymo schon heute schneller waechst als Tesla.

Und dann der Punkt, der am meisten wehtut, weil er von einem Betroffenen kommt: Die brillanten Leute, die Teslas Erfolge moeglich gemacht haben, seien laengst weg und loesten ihre harten Probleme inzwischen woanders. Bousta muss es wissen, sein eigener Fonds ist voll mit Ex-Tesla-Talent. Musks Visionen waren nie das Produkt. Das Produkt haben Ingenieure gebaut, die nicht mehr da sind!

Das Urteil

Was bleibt von diesem "Rekordquartal"? Ein Konzern, der so viele Autos ausliefert wie nie in einem Q2 und daran fast nichts verdient. Ein Nettogewinn, der zu einem erheblichen Teil aus dem Papierwert einer Beteiligung besteht, die seit dem Bilanzstichtag abgestuerzt ist. Ein Robotaxi-Programm, das exponentiell genannt wird und im Waymo-Vergleich mikroskopisch ist. Ein Investitionsprogramm von historischem Ausmass, zunehmend auf Pump finanziert. Und, das ist die eigentliche Nachricht dieser Woche: Die Fundamentalkritik, die hier seit Jahren steht, ist im Mainstream angekommen, bis hinein in die Aussagen ehemaliger Tesla-Fuehrungskraefte.

Fuer Ralf aus Recklinghausen, der ueberlegt, ob er jetzt "guenstig einsteigt": keine Anlageberatung, nur Mathematik. Ein KGV jenseits der 100 (und Tesla liegt bei >170) bepreist Perfektion in einer Zukunft, fuer die dieses Quartal exakt null neue Belege geliefert hat. In der ersten Augustwoche legt SpaceX seine ersten Quartalszahlen als boersennotiertes Unternehmen vor, inklusive der Frage, wie viel von deren Umsatz an Vertraegen mit Google und Anthropic sowie an Geschaeften innerhalb des eigenen Imperiums haengt. Dann sehen wir die naechste Karte und ich wuerde nicht darauf wetten, dass sie das Haus stabiler macht.

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Bleibt gesund!

Sascha

Disclaimer: Meine Infografiken wurden durch eine KI erstellt, ich frage mich aber wirklich, ob ich dies einzeln angeben muss? Wenn ich was mit Canva mache, dann erklaere ich das ja auch nicht!

Bei der Recherche kam vor allen Dingen Perplexity, aber auch Claude AI zum Einsatz. Der Text wurde jedoch zu 100% von einem in Taiwan lebenden Europaaer mit nem deutschen Pass geschrieben aka mir!


Quellen

Primaerquellen:

Earnings-Call-Transkript:

Presse und Analysen:

Hinweis zur Methodik: Alle Kernzahlen (Umsatz, EPS, Margen, Capex, Free Cashflow, Auslieferungen, Energiespeicher) wurden gegen das Tesla-IR-Material bzw. die SEC-Meldung geprueft. Die Berechnungen zum bereinigten Nettogewinn ohne SpaceX-Buchgewinn sowie zur Energie-Marge ohne Garantie-Einmaleffekt stammen von Motorhead und sind als solche gekennzeichnet. Die Behauptung zur unterdrueckten Say.com-Frage liess sich nicht unabhaengig verifizieren und ist entsprechend attribuiert. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.

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