Die MeMachine – Social Media im Regal | Digital Independence Day #7
Sechs Monate Digital Independence Day. Sechs Monate, in denen wir gewechselt haben... E-Mail zu sicheren Anbietern, Daten runter von den US-Clouds, Linux auf den Desktop und die Office-Alternativen in den Alltag. Alles richtig, alles wichtig und ich bin unfassbar stolz auf jeden einzelnen von euch, der diesen Weg mitgegangen ist. Aber heute wechseln wir nicht. Heute besitzen wir. Denn es gibt einen Unterschied zwischen "Ich bin bei Mastodon.social" und "Ich BIN meine eigene Instanz"... und genau um diesen Unterschied geht es in Ausgabe Nummer 7.

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[BILD 3 – HERO: MeMachine-Wuerfel im Buecherregal neben Pflanze | Alt-Text: "Die MeMachine, ein kleiner weisser Mini-Server-Wuerfel, steht in einem Buecherregal zwischen Buechern und einer Zimmerpflanze" | Bildunterschrift: "So unscheinbar sieht digitale Souveraenitaet aus: Die MeMachine im Regal."]
Das Problem, das keiner sehen will
Lasst mich mit einer unbequemen Wahrheit anfangen, die im Fediverse nicht jeder gerne hoert: Auch dort seid ihr Gaeste. Bessere Gaeste als bei Meta, keine Frage... niemand verkauft eure Daten, kein Algorithmus dreht euch Empoerung rein, keine Werbung, kein Musk, der euch den Feed umbaut. Aber wenn ihr auf mastodon.social oder einer anderen grossen Instanz sitzt, dann haengt euer Account an der Gnade, der Gesundheit und dem Geldbeutel eines Admins, den ihr in den allermeisten Faellen nicht einmal kennt.
Und Instanzen sterben. Staendig. Der Admin hat keine Zeit mehr, kein Geld mehr, keine Lust mehr... manchmal alles drei gleichzeitig. Und dann? Dann zieht ihr um, verliert eure Posts, im schlimmsten Fall eure Follower und fangt wieder bei null an. Versteht mich nicht falsch: Das ist immer noch tausendmal besser als ein gesperrter Account bei X, ohne Begruendung, ohne Widerspruchsmoeglichkeit und ohne dass sich irgendjemand dafuer interessiert. Aber es ist eben nicht das Ende der Reise. Das Ende der Reise ist... die Infrastruktur gehoert euch. Physisch. Sie steht in eurem Regal.
Wer auf fremden Plattformen publiziert, publiziert auf Bewaehrung... Reichweite ist dort keine Waehrung, sondern ein Kredit, der jederzeit gekuendigt werden kann. Und die Kuendigungswelle laeuft.
"Dann hoste doch selbst!" – Ja, klar...
Jetzt kommt an dieser Stelle immer, wirklich immer, derselbe Reflex aus der Nerd-Ecke: "Dann hoste doch einfach deine eigene Instanz, ist doch alles Open Source!"
Erinnert ihr euch an meinen imaginaeren Ralf aus Recklinghausen? Ralf hat den Digital Independence Day von Anfang an mitgemacht... E-Mail gewechselt im Januar, Daten aus der US-Cloud geholt im Februar und Ralf ist stolz auf sich. Darf er auch sein! Aber als ich Ralf gesagt habe "Hoste doch deine eigene Mastodon-Instanz", hat er mich angeguckt, als waeren mir ein paar Hummer aus den Ohren gekrabbelt!
Docker. Reverse Proxy. DNS-Eintraege. Postgres-Tuning. SSL-Zertifikate... merkt ihr was? Ralf ist Heizungsbauer, aber er ist kein DevOps-Engineer und er will auch keiner werden. Und wisst ihr was? Das muss er auch nicht! Ralf sagt naemlich zurecht: "Ich will nicht Serveradministrator werden, ich will nur nicht mehr von Zuckerberg abhaengig sein." Genau da klafft die Luecke, ueber die wir im Fediverse viel zu selten reden, weil sie fuer die Bastler unter uns schlicht nicht existiert: Zwischen "Account auf fremder Instanz" und "eigener Server mit Vollzeit-Bastelaufwand" gibt es fuer normale Menschen... nichts.
Bis jetzt.
Die MeMachine: Anschliessen. Anklicken. Ankommen.
Genau diese Luecke will ich schliessen und deshalb arbeite ich an der MeMachine... einem kleinen, Wuerfel, der euer persoenliches Fediverse-Kraftwerk wird. Das Konzept ist bewusst so simpel, wie es klingt, denn Einfachheit ist hier kein Nice-to-have, sondern der ganze Punkt.


Ihr schliesst die Box an. Strom rein, Netzwerkkabel rein, fertig. Im Browser oeffnet sich eine Oberflaeche, die aussieht wie ein aufgeraeumtes Kachel-Dashboard und eben nicht wie ein Serveradmin-Albtraum aus den 90ern. Dort seht ihr die wichtigsten Fediverse-Anwendungen als grosse, freundliche Kacheln... Mastodon fuer Microblogging, Pixelfed fuer eure Fotos, Loops fuer Kurzvideos und perspektivisch dazu PeerTube fuer Video und WriteFreely fuers Bloggen.

Ihr klickt auf die Kachel, ihr tippt euren Wunsch-Handle ein, ihr drueckt auf Start... und ein paar Minuten spaeter existiert @ralf auf seiner eigenen Instanz. Keine Kommandozeile, kein YAML, kein "hast du schon mal in die Logs geguckt". Fuenf Minuten. So lange braucht Ralf fuer einen Kaffee.

Unter der Haube passiert natuerlich all das, was sonst ganze Wochenenden frisst... Container werden orchestriert, Zertifikate automatisch erneuert, Updates eingespielt und Backups angelegt, ohne dass ihr auch nur einmal daran denken muesst. Aber genau das ist der Punkt: Es passiert unter der Haube. Euer Auto verlangt ja auch nicht, dass ihr die Einspritzanlage selbst kalibriert, bevor ihr zum Baecker fahren duerft... warum akzeptieren wir das eigentlich bei Servern?
Der komplette Weg vom Karton bis zum ersten Post sieht also so aus:

Die Einwaende... und warum sie berechtigt sind
Bevor jetzt die Kommentarspalte explodiert, nehme ich euch die Arbeit ab und mache das selbst, denn die Einwaende gegen Self-Hosting sind real und wer sie einfach wegwischt, der betreibt Marketing statt Aufklaerung... und dafuer ist MeTacheles nun wirklich nicht die Adresse.
Erstens: Verantwortung. Wer eine eigene Instanz betreibt, ist Admin... auch rechtlich. Foederation heisst, dass Inhalte von anderen Servern bei euch aufschlagen koennen und fuer eine persoenliche Ein-Personen-Instanz ist das Risiko zwar ueberschaubar und die Moderationslast minimal, aber sie ist eben nicht null. Das gehoert auf den Tisch.
Zweitens: Verfuegbarkeit. Wenn bei euch der Strom ausfaellt oder die Fritzbox mal wieder zickt, dann ist eure Instanz offline... Punkt. Mastodon verzeiht das uebrigens erstaunlich gut, denn die Foederation liefert verpasste Posts nach, aber wer 99,99 Prozent Uptime erwartet, der ist bei einem Kasten im Wohnzimmerregal schlicht falsch.
Drittens: "Das ist doch nur ein weiteres Geraet, das Strom frisst." Stimmt. Wir reden hier aber ueber die Groessenordnung einer LED-Lampe und nicht eines Gaming-PCs... und im Tausch dafuer verlasst ihr eine Infrastruktur, deren Rechenzentren gerade halbe Bundesstaaten leerkuehlen. Ich finde, der Deal geht klar.
Und viertens, der wichtigste Einwand von allen: "Braucht das ueberhaupt jemand? Es gibt doch Managed Hosting." Ja, gibt es und wer damit gluecklich ist, der soll bitte dabei bleiben. Aber Managed Hosting ist am Ende wieder ein Abo, wieder ein Anbieter, wieder eine Abhaengigkeit... nur eben eine sympathischere. Die MeMachine ist die Antwort fuer alle, die den letzten Schritt gehen wollen: Die Daten liegen nicht "bei einem vertrauenswuerdigen Dienstleister". Sie liegen zuhause. Punkt!
Jede Bewegung stoesst irgendwann an die Kompetenz-Wand
Warum ausgerechnet jetzt?
Weil das Momentum da ist... und zwar so richtig. Was in den letzten Monaten rund um den Digital Independence Day passiert ist, haette ich im Januar nicht zu traeumen gewagt: Lokale Events, bei denen sich wildfremde Menschen gegenseitig beim Linux-Umstieg helfen, Fediverse-Einrichtungspartys, Leute, die ihre Eltern von Gmail wegholen und dabei auch noch Spass haben. Die Bewegung ist real und sie waechst nach dem Reiskorn-und-Schachbrett-Prinzip... jeder nimmt beim naechsten Mal einfach einen Menschen mit.

Aber jede Bewegung stoesst irgendwann an die Kompetenz-Wand. Die ersten Schritte, also E-Mail, Cloud und Browser, schaffen alle... die letzten Schritte, die eigene Infrastruktur, schaffen bisher nur die Nerds. Und wenn wir digitale Souveraenitaet wirklich ernst meinen, dann muss der letzte Schritt genauso einfach werden wie der erste, denn sonst bleibt Unabhaengigkeit ein Hobby fuer Leute mit Homelab... und das waere dann doch ein bisschen wenig.
Stellt euch kurz vor, in jedem zweiten Haushalt steht so eine Box. Millionen kleiner Instanzen statt drei grosser Silos... ein soziales Netz, das man nicht kaufen, nicht kapern und nicht abschalten kann, weil es niemandem gehoert und deshalb allen. Das ist keine Utopie, das ist Architektur. Man muss sie nur bauen!
Wo steht das Projekt... und was koennt ihr tun?
Volle Transparenz, ihr kennt mich: Die MeMachine ist im Moment nur ein Konzept... nicht mehr und nicht weniger! Ich zeige euch das heute, weil der Digital Independence Day genau der richtige Ort dafuer ist... und weil ich euer Feedback benoetige!

Deshalb meine Fragen an euch: Welche Fediverse-Apps muessen zwingend auf die Kacheln? Was waere euch so eine Box wert? Und die wichtigste Frage von allen... wuerdet ihr sie euch selbst ins Regal stellen oder eher euren Eltern, damit die endlich von Facebook wegkommen?
Und wie immer gilt fuer den heutigen Digital Independence Day: Nehmt einen Menschen mit. Erklaert Ralf, was das Fediverse ist. Der Rest kommt Schritt fuer Schritt... und irgendwann, und da bin ich so realistisch, um das Unmoegliche zu verlangen, erobern wir die Welt 😎
Happy Digital Independence Day Nummer 7!
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Bleibt gesund!
Sascha


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