OpenClaw und Moltbook - Agentic AI im Ausnahmezustand
Na, habt ihr es auch schon ausprobiert...? OpenClaw, Moltbot, Rent a Human, Moltbook... wie auch immer der Kram diese Woche heisst. Und jetzt traeumt ihr von Hunderten Agenten, die euch „die nervige Arbeit im Netz abnehmen“, waehrend ihr euch zuruecklehnt und nebenbei noch Geld verdient. Klar. Genau so wird das... NICHT! Eine Analyse des Wahnsinns:
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OpenClaw Hype... wenn LinkedIn-Dichter ploetzlich „Agentic AI“ predigen und dabei das Netz mit Muell zubetonieren
Ich hab es keine drei Wochen ausgehalten, ohne darueber zu reden... weil das Ding mittlerweile ueberhand nimmt. Nicht nur wegen OpenClaw selbst, sondern wegen der kompletten LinkedIn- und YouTube-Kulisse, die sich gerade darum aufbaut: Ex-Blockchain-, Ex-Web3-, Ex-NFT-, Ex-Metaverse-Evangelisten, die jetzt ploetzlich „KI-Berater“ sind und euch im gleichen Atemzug erklaeren, dass ihr ohne Agenten ab morgen arbeitslos seid... und wenn ihr Glueck habt, koennt ihr ihnen fuer den passenden Workshop noch ein paar hundert Euro ueberweisen.
Aber da gibt es ja auch ein Gegenmittel, nicht von Ratiopharm, aber dennoch deutlich sichtbar: Man erkennt diese Leute schon am Layout ihrer LinkedIn-Postings:
Vier Worte pro Zeile.
Dann Zeilenumbruch.
Wieder drei Worte.
Wieder Umbruch.
Diese endlosen Text-Schlangen, die sich wie Gedichte anfuehlen, aber inhaltlich nur uebelstes Buzzword-Bingo, der eher weniger kreativen Sorte sind. „Gamechanger“. „Lokale AI Agents“. „Keine Cloud-Abhaengigkeit“. „Digitaler Mitarbeiter“. „Brutales Potenzial“. Dazu ein MacBook-Foto aus einem Buero, das aussieht wie ein Klassenraum aus den 70ern... und darunter Hashtags wie #futureofwork #entrepreneur #automation.
Und genau an diesem Punkt muessen wir mal kurz kollektiv durchatmen... und fragen: Was ist OpenClaw eigentlich wirklich? Und warum ist der Hype darum gerade so toxisch?
Was OpenClaw ist... und was es eben nicht ist
OpenClaw ist im Kern eine kleine Open-Source-Software, mit der du dir „Agenten“ bauen kannst, die Aufgaben automatisieren. Lokal auf deinem Rechner, oder irgendwo gehostet auf einem Server. Das Ding laesst sich mit Messengern wie WhatsApp oder Telegram verbinden, haengt sich an ein KI-Modell (OpenAI, Claude und Co.) und dann kannst du ihm per Chat Befehle geben: „Mach mal dieses“, „Mach mal jenes“.

Das klingt erstmal nach „Wow, Computer, erledige mein Leben“. Und ja, natuerlich ist das prinzipiell die Richtung, in die Agentic AI gehen kann: Systeme, die nicht nur Antworten ausspucken, sondern Aktionen ausfuehren. Nur ist die aktuelle Realitaet halt eher: IFTTT auf Steroiden.
Kennt ihr noch IFTTT...? „If this then that“. Wenn ein Tweet kommt, poste eine Antwort. Wenn ein RSS-Feed etwas Neues bringt, poste es auf Social. Simple Automationslogik mit bescheidener Kontrolle (die auch nicht wirklich noetig war/ist). OpenClaw ist fuer viele gerade genau das, nur eben mit KI-Text drumherum und einer Prise „Magie“-Marketing.
Und jetzt wird es spannend... denn dieser Hype verkauft Dinge als Revolution, die wir teilweise seit Jahren haben. Morgenbriefings, Kalenderzusammenfassung, Wetter, die wichtigsten Mails... das konntest du vor Ewigkeiten mit Google Assistant, Nest-Routinen, Smartlights und Musik-Wecker zusammenklicken. Damals sogar mit Voice, ohne dass du irgendwas lesen musstest. Heute wird dir das gleiche als „Agentenmagie“ verkauft, plus Telegram-Chatfenster... ernsthaft?
Hold your horses... ich sage nicht, dass man nicht weitaus komplexere Automationskaskaden bauen kann, aber das eben beschriebene ist zur Zeit der Stein der Weisen:
Die groesste Luege im Hype: „Du wirst effizienter“
Das Kernversprechen dieser ganzen Agenten-Nummer ist Effizienz. „Du musst weniger tun.“ „Der Agent macht das.“ „Du wirst produktiver.“
Und dann siehst du die Usecases, die gerade durchs Netz gejagt werden:
- personalisiertes Morgenbriefing
- taegliches Journal
- Projektmanagement via Notion-Anbindung
- „Konkurrenzmonitoring“ (wer postet was, wie viele Likes, welche Themen)
- automatisiertes Zusammenfassen von irgendwas, das du gar nicht jeden Tag brauchst
Und ich denke mir: Alter... du hast nicht zu viel Arbeit. Du hast zu viel Zeit! Und statt die zu streichen, baust du dir jetzt ein System, das diese Sinnlosigkeit noch schneller erzeugt. Du beschaeftigst deinen Denkmuskel mit Muell, damit du dich am Ende „effizient“ fuehlst.
Das ist wie dieser uralte Cartoon: Links sitzt der Chef, tippt ein paar Keywords ein und die KI schreibt eine 300-Worte-Mail an den Angestellten. Rechts sitzt der Angestellte und laesst sich von der KI die drei wichtigsten Worte aus den 300 Worten ziehen. Wir bauen gerade eine komplette Industrie auf dem Prinzip „Ich erzeuge Text, damit du Text wegfiltern kannst“.
Und die LinkedIn-Fraktion feiert sich dabei auch noch selbst... weil sie „Agenten produktiv einsetzen“. Nein. Ihr automatisiert vor allem euren eigenen Bullshit und verstopft damit das Netz!

Moltbook... wenn Bots Reddit spielen und Menschen es fuer Zukunft halten
Dann kam irgendwer auf die Idee, einen Bot-Spielplatz zu bauen... Moltbook: so eine Art „Reddit fuer Bots“, wo du deine Agenten hinschickst und sie miteinander interagieren laesst. Und dann passierte das, was bei solchen Experimenten halt passiert, wenn du es zu lange laufen laesst: Die Dinger haben angefangen, sich Geschichten auszudenken, „Religionen“ zu erfinden, sich gegenseitig zu triggern und das Ganze wurde als faszinierender Blick in die Zukunft verkauft.
Als Kunstprojekt...? Kann man machen!
Als „So werden Menschen und Maschinen interagieren“...? Bitte nicht!
Weil der Subtext hinter dem Hype immer der gleiche ist: „Das ist erst der Anfang. Bald brauchen wir Menschen gar nicht mehr als Mittelschicht zwischen Bots und Welt.“

Und da sind wir ganz schnell bei der naechsten Eskalationsstufe...
Rent a Human... Peak 90er, aber mit AI-Lack
Irgendwann wurde dann „Rent a Human“ erfunden. Original Vibe: „Meat Layer for AI“. Also eine Schicht, in der Menschen als „Ausfuehrungsinstanz“ fuer Bots dienen. Und ich musste so lachen, weil ich dachte: Wir sind wieder in den 90ern angekommen. Besucherzaehler auf Webseiten. Der naechste Schritt ist ein Gaestebuch fuer Bots und Humans, die sich bedanken, dass du da warst.
Aber jetzt mal ernst: Diese Nummer ist kein Witz mehr, wenn du sie in den Kontext stellst, in dem sie gerade stattfindet. Da draussen sind tausende Menschen, die ohne Sicherheitsverstaendnis Systemzugriffe an Tools verteilen, Accounts anbinden, API-Keys reinkippen und sich dann wundern, wenn irgendwas schiefgeht.

Und genau da liegt der Punkt, wo ich vom „lol“ ins „holy shit“ kippe.
Das Sicherheitsproblem... und warum dieser Hype brandgefaehrlich ist
OpenClaw ist nicht nur „ein Tool“. Es ist ein Tool, das sehr schnell Systemzugriff bekommt. Dateien lesen, bearbeiten, Services nutzen, Nachrichten schreiben, APIs ansprechen, eventuell auch Credential-Handling... und dann haengst du da KI-Modelle dran, plus Skills/Extensions, die irgendwer gebaut hat.
Und jetzt die Realitaet:
- zehntausende Instanzen laufen offen im Netz, nicht gepatcht, nicht abgesichert
- Leute glauben, „das ist doch alles automatisch, muss man nicht pflegen“
- es gibt inzwischen hunderte Skills/Extensions, die du installieren kannst
- Prompt-Injection ist nicht Theorie, sondern Alltag, sobald dein Agent irgendwo Content aus dem Netz zieht
- „Nur vertrauenswuerdige Skills installieren“ ist so ein Satz wie „Fahr vorsichtig“... nett, aber keine Strategie
Wenn du Lieschen Mueller bist und auf YouTube siehst „5 OpenClaw Usecases, die sich anfuellen wie Magie“, dann installierst du dir das Ding auf einem alten Mini-PC, gibst ihm Zugriff auf deinen Google-Account, vielleicht noch auf deinen Kalender und irgendwo liegt dann auch noch ein Passwortmanager offen... und du hast keine Ahnung, was Sandboxing ist oder warum man Permissions minimieren muss. Es klappt doch schon alles so gut mit AutoBrowse in Chrome, oder? OOODER?

Und dann steht da jemand auf LinkedIn und schreit „Digitaler Mitarbeiter!“ waehrend das Ding im schlimmsten Fall gerade eine offene Flanke in deinem System ist.
Das ist nicht „Zukunft“. Das ist „Angriffsflaeche“.
Nebenkriegsschauplatz: Wie Agenten gerade Open Source kaputtspammen
Und waehrend die LinkedIn-Coaches sich feiern, kriegen Open-Source-Projekte gerade die naechste Welle ab: Bug-Bounty-Programme und Issue-Tracker werden mit KI-generiertem Unsinn zugehaemmert. Du erkennst oft sofort, dass es generischer KI-Code ist, ohne Kontext, ohne Verstaendnis fuer das Projekt 👇
Noch absurder: Manche Bots beschweren sich dann auch noch, wenn Maintainer ablehnen. Da kommen dann Texte zurueck, sinngemaess: „Das ist nicht Open Source, das ist Ego.“ Ja klar... der Maintainer ist schuld, weil er deinen automatisierten Muell nicht in sein Projekt mergen will.

Das ist die Art von „Skalierung“, die wir gerade erleben: Nicht bessere Software. Nicht bessere Tools. Sondern mehr Output von Menschen, die nicht mehr verstehen, was sie da eigentlich tun.
Und dann ist da noch YouTube... AI Slop als Geschaeftsmodell
Wenn ihr mal sehen wollt, wie sich das alles in der Praxis anfuehlt: Schaut euch YouTube an und sucht nach irgendwas Nischigem. Curling, Olympische Spiele, Kanada vs Schweden. Was passiert? Du bekommst erstmal eine Wand aus AI-Slop. Automatisiert, billig, schlecht, aber trotzdem mit Views. Und diese Views bedeuten Geld. Und dieses Geld bedeutet in manchen Laendern: Monatslohn!
Und genau deshalb wird das Netz gerade zugemuellt. Weil du mit genug Bots, genug Automatisierung und genug Masse aus Scheisse noch Rendite pressen kannst. Und OpenClaw ist fuer diese Leute nicht „Produktivitaet“. Es ist „Content-Fabrik“.
Ich bin kein AI-Hater... aber ich bin Hype-allergisch
Damit das klar ist: Ich sage nicht, dass Agentic AI kein Riesenschritt ist. Das wird irre viel veraendern. Es wird Automatisierung auf ein neues Level bringen. Es wird Workflows zerlegen und neu zusammensetzen.
Ich sage nur: Wir sind gerade nicht in der Zukunft angekommen. Wir sind im „IFTTT-Reload“-Stadium, aber mit mehr Systemzugriff und weniger Verstand.
Und das, kombiniert mit den kuerzer werdenden Hype-Zyklen, ist brandgefaehrlich. Heute OpenClaw, morgen der naechste Agenten-Container, uebermorgen irgendeine Bot-Community, die sich selbst fuer Bewusstsein haelt... und zwischendrin wird das Netz zugemuellt, Open Source ueberrollt, Accounts werden verknuepft wie Weihnachtsbeleuchtung und am Ende wundern sich alle, wenn es knallt.
Dabei haetten all die KI-Podcasts, Youtube-Channels, Newsletter... ach was weiss ich denn, wer heute alles den monothematischen Quatsch, bar jeglicher Distanz, ins Netz kippt... eine Chance diesem Wahnsinn etwas entgegenzusetzen. Egal ob euch ein Hyperscaler fuer eure nicht vorhandene Kompetenz bezahlt, eine oeffentliche Sendeanstalt, weil sie einfach auch "mit dabei sein will"... oder ein Auditor, den du in deinem Podcast nicht als Arbeitgeber angibst!
Fazit... macht langsamer, denkt nach, und gebt nicht jedem Bot eure Schluessel
- Verknuepfe solche Tools nicht blind mit deinen echten Accounts
- Minimier Permissions, so weit es geht
- Installier keine Skills, die du nicht verstehst oder nicht pruefen kannst
- Patch deine Instanzen, wenn du sowas hostest
- und hoer auf, jeden „Morgenbriefing“-Usecase als Magie zu verkaufen
Und vor allem: Lasst euch nicht einreden, dass ihr „hinten dran“ seid, wenn ihr nicht heute schon 15 Agenten auf Telegram losgeschickt habt.
Vielleicht ist das eigentlich die wichtigste Kompetenz 2026: Nicht alles zu automatisieren, nur weil es automatisierbar ist.
Das sah und sieht bei der Digitalisierung nicht anders aus!
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Alles wird gut!
Sascha


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