Digital Independence Day #2 – Cloud-Speicher einfach wechseln
Der zweite Digital Independence Day ist da. Jeden ersten Sonntag im Monat kuemmern wir uns um eure digitale Souveraenitaet – Schritt fuer Schritt, Thema fuer Thema. Diesmal geht es ans Eingemachte: Eure Daten. Wie bekommt ihr sie von den US-Cloud-Anbietern runter? Und wohin damit? Spoiler: Es ist einfacher als gedacht. Und es fuehlt sich verdammt gut an!
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Digital Indepence Day - Die Bewegung waechst
Was in den letzten Wochen passiert ist, lasst mich an das Gute im Menschen glauben. Der Digital Independence Day hat nicht nur auf Social Media Runden gemacht, sondern auch in klassischen Medien – und sogar ins echte Leben transferiert. Menschen helfen sich gegenseitig, raus aus Big Tech zu kommen. Lokale Events, wo Leute zusammenkommen und gemeinsam Linux installieren, Fediverse-Profile einrichten, Datenstrategien besprechen.

Ein 15 Jahre alter Laptop, auf dem Linux Mint laeuft, fuehlt sich an, als haettest du ihn mit einer Lastwagenladung Red Bull befeuert. Das passiert gerade. Nicht nur an diesem Sonntag. Nicht nur im Netz, sondern wirklich ueberall.
Sucht mal nach "Digital Independence Day" in eurer Stadt. Und wenn es noch kein Event gibt – macht eins. Unabhaengigkeit ist so viel einfacher, toller und schneller zu erfahren, wenn man das innerhalb einer Community macht.
Die unbequeme Wahrheit ueber eure Cloud
Lasst euch keinen Unsinn erzaehlen. "Souveraene Cloud", weil der Server in Deutschland steht? Vergesst es. Ist es ein US-Anbieter, kann ueber den US Cloud Act zugegriffen werden. Punkt.

Das Gleiche gilt uebrigens fuer BitLocker auf eurem Windows-Laptop. Wenn die US-Behoerden den Recovery Key wollen, bekommen sie ihn von Microsoft. Ist im letzten Jahr einige Dutzend Male passiert.

Ich sage nicht, dass ihr alle in Gefahr seid. Aber es ist de facto moeglich. Und wenn ihr eure Daten in US-Clouds lagert, habt ihr diese Kontrolle abgegeben. Wollt ihr das wirklich?
Mein Albtraum: Der OneDrive-Exodus
Wer meine letzte Ausgabe gehoert hat, weiss: Ich hab mich aus der Microsoft-Cloud verabschiedet. Und es war... eine Erfahrung.

An meiner Gigabit-Leitung hatte ich beim Download teilweise Kilobyte pro Sekunde. Das hab ich seit 30 Jahren nicht mehr gesehen. Bei 21 Gigabyte bricht der Download einfach ab – ohne Warnung, ohne Fehlermeldung. Diverse Apps und Filemanager probiert, Archivierung versucht, alles furchtbar.
Deshalb meine dringende Bitte: Macht das nicht wie ich in einer Hauruck-Aktion. Macht euch einen Plan. Schritt fuer Schritt. Ihr habt vier Wochen bis zum naechsten Digital Independence Day.
Der Plan: So kommt ihr raus
Schritt 1: Aufraeumen
Fangt auf der Plattform selbst an. Loescht den Datenmuell. Braucht ihr wirklich den Ordner "Fotos 2007 Spargel"? Wahrscheinlich nicht. Je weniger ihr runterladen muesst, desto einfacher wird es.
Schritt 2: Struktur schaffen
Macht euch eine saubere Ordnerstruktur. Privat, Work, darunter Kategorien. Das hilft nicht nur beim Umzug, sondern auch danach.
Schritt 3: Alternativen waehlen
Europaeische Anbieter gibt es genug. Ich nutze ein Hybrid-System mit drei Ebenen:

Mein Setup: Dreifach abgesichert
Ebene 1: IONOS Nextcloud
Das Gros meiner Daten liegt hier. Deutscher Anbieter, deutsches Rechenzentrum. Ich kann Ordner teilen, Links verschicken – alles wie bei Google Drive oder OneDrive. Nur dass da nicht "Google" oder "Microsoft" in der URL steht, sondern Nextcloud und IONOS.

Und wisst ihr was? Es fuehlt sich gut an, wenn Kunden auf so einen Link klicken und sehen: Das ist keine US-Infrastruktur. Das ist europaeisch. Das gibt ein verdammt gutes Gewissen.
Ebene 2: Proton
Fuer die ultrawichtigen Sachen habe ich einen digitalen Safe bei Proton. Schweizer Anbieter, bauen aber auch immer mehr Rechenzentren in Deutschland. Hier liegen persoenliche Dokumente, Ausweiskopien, wichtige Fotos – alles, was ich schnell brauchen koennte, wenn mal was schiefgeht.

Kein "Wo war denn nochmal dieser USB-Stick mit den wichtigen Dokumenten?" mehr. Die sind online, sicher, verschluesselt, und ich weiss genau, wo.
Uebrigens: Ich nutze von Proton mittlerweile E-Mail, Cloud-Speicher und VPN. Das VPN ist goettlich – an meiner Gigabit-Leitung bekomme ich ueber den Texas-Server 350 Mbit runter und 120 hoch. Das reicht fuer alles.
P.S. Ueber diesen Link zu Proton unterstuetzt ihr meine Arbeit direkt!
Ebene 3: Lokales NAS
32 Terabyte. Ja, ich weiss – warum so viel? Weil da auch meine komplette Mediathek draufliegt. Plex-Server laeuft, Familie kann Filme und Musik streamen. Aber fuer die meisten von euch reicht ein kleines NAS mit zwei Platten im RAID-System.

Kauft euch sowas bei Media Markt, Notebooksbilliger oder meinetwegen Otto. Hauptsache nicht Amazon. Zwei Platten rein, RAID laufen lassen, fertig. Eine Platte als Backup, eine als Arbeitsspeicher.
Das Schoene: Viele NAS-Systeme von Synology, QNAP oder anderen lassen sich direkt mit Nextcloud synchronisieren. Ihr habt dann einen lokalen Ordner, der automatisch mit eurer Cloud gesynct wird. Doppeltes Backup, null Aufwand nach der Einrichtung.
Die Backup-Pyramide
Hier nochmal zusammengefasst, wie eine solide Datenstrategie aussehen kann:
- Lokales NAS – physisch bei euch, ihr koennt die Schublade aufmachen und die Festplatten anfassen
- Europaeische Cloud (Nextcloud bei IONOS o.ae.) – automatisch gesynct, Backup Nummer zwei
- Sicherer Safe (Proton o.ae.) – fuer die wirklich kritischen Dokumente, verschluesselt, schnell zugaenglich
- USB-Stick/externer Flash-Drive – fuer den absoluten Notfall, an einem Ort, den ihr kennt

Und ja, die ganz Hardcore-Leute drucken wichtige Dokumente auch noch aus. Ich hab leider keinen Drucker mehr, aber die Idee ist solide.
Warum das wichtig ist
Wir waren alle naiv. "Bin ich schon drin... sind meine Daten schon hochgeladen... das war ja einfach!" Wir haben uns einlullen lassen.
Das heisst nicht, dass der Switch jetzt schwer ist. Ueberhaupt nicht. Ihr muesst nur am Anfang Zeit investieren, um ihn durchzufuehren. Und wenn ihr das geschafft habt – ich verspreche euch – es fuehlt sich so verdammt gut an.
Weil ihr zum ersten Mal die Strategie bezueglich eurer Daten selbst festgelegt habt. Nicht ausgelagert an Google oder Microsoft. Ihr habt gesagt: Ich moechte das so und so und so. Ihr habt eure Eier in verschiedene Koerbchen gelegt. Und einige davon stehen tatsaechlich in den eigenen 4 Waenden.
Das ist digitale Souveraenitaet!
Naechsten Monat: Kalender und Kontakte
Im Maerz kuemmern wir uns um Kalender und Kontakte. Auch so ein fundamentales Thema, das die meisten komplett an Google oder Apple ausgelagert haben.

Alle vier Wochen machen wir ein Kreuzchen an einem Thema. Und zum Ende des Jahres – ich verspreche es euch – seid ihr so was von safe und digital souveraen unterwegs, dass ihr euch an den bescheuerten AOL-Spruch von Boris Becker erinnern werdet: "Das war ja einfach."
Genau das ist es!
Eine Bitte zum Schluss
Zu jedem Digital Independence Day: Versucht, eine Person aus eurem Umfeld mitzunehmen. Erklaert ihr, dass es den Digital Independence Day gibt. Helft ihr beim ersten Schritt. Und wenn die das geschafft hat, soll sie beim naechsten Digital Independence Day eine weitere Person mitnehmen.

Ihr wisst, worauf ich hinaus will. Reiskorn und Schachbrett. Wenn wir uns gegenseitig inspirieren, wenn wir andere Menschen im positivsten Sinne anzuenden – dann wird das was.
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Das ist hier natuerlich nur ein Anfang, aber ich wuerde mich freuen, wenn ihr die naechsten Monate mit dabei seid und mir eure Erfahrungen zurueckspielt. Am besten im Fediverse, denn da findet ihr mich u.a. auf Mastodon!

Alles wird gut!
Sascha


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