Das Ende von Social Media – Judgement Day fuer die Contentschleudern!
Was sich gerade in den USA und in Europa abzeichnet, ist mehr als nur die naechste Regulierungsrunde gegen ein paar aus dem Ruder gelaufene Plattformen. Es ist der Moment, in dem sich ein ganzes Geschaeftsmodell vor Gericht, vor Aufsichtsbehoerden und zunehmend auch vor der Oeffentlichkeit verantworten muss. Und ganz ehrlich: Das wurde auch hoechste Zeit.
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Der Anfang vom Ende fuer Social Media
"Wenn die EU an der AI-Wirtschaft teilnehmen will, dann braucht sie Rechenzentren, Daten und Zugang zum US-amerikanischen Hardware-Stack. Man kann nicht ueberregulieren, die Spielregeln staendig aendern und Unternehmen mit hohen Geldstrafen belegen." Das sage nicht ich. Das sagt Andrew Puzder, der US-Botschafter bei der EU.
Und wisst ihr was? Der Typ ist ein wunderbarer Botschafter fuer die aktuelle Situation. Denn Big Tech hat ein Problem. Und zwar ein richtig grosses.

Ueber viele Jahre hinweg konnten Social-Media-Konzerne ihre Plattformen so bauen, wie sie wollten... Stichwort Shareholder Value. Das Ergebnis kennen wir alle: Systeme, die auf maximale Bindung optimiert wurden. Plattformen, die nicht informieren, nicht vernetzen und schon gar nicht empowern sollten, sondern vor allem eines mussten: uns moeglichst lange festhalten.
Jetzt kippt dieses Narrativ. Endlich!
Grundsatzurteile in Kalifornien und New Mexico
In den USA haben zwei Urteile innerhalb kuerzester Zeit gezeigt, dass Gerichte zunehmend bereit sind, genau diese Mechanik nicht mehr als bedauerlichen Nebeneffekt, sondern als Kern des Problems zu begreifen.
In New Mexico wurde Meta zu einer Strafzahlung von 375 Millionen US-Dollar verdonnert, weil junge Nutzerinnen und Nutzer auf Plattformen wie Facebook und Instagram nicht ausreichend geschuetzt wurden. Die Ermittler hatten Testkonten angelegt, sich als Minderjaehrige ausgegeben und dabei festgestellt, dass die versprochenen Schutzmechanismen in der Praxis schlicht nicht funktionierten.

Man muss sich das einmal in aller Ruhe vor Augen fuehren: Ein Konzern behauptet, junge Menschen zu schuetzen. Die Behoerden testen es. Und stellen fest, dass Minderjaehrige trotzdem mit vollkommen unangemessenen Kontaktversuchen konfrontiert werden. Jeder einzelne Fall wurde als Verstoss gewertet. Genau so muss das laufen. Nicht mit wohlfeilen Entschuldigungen, nicht mit PR-Sprech, nicht mit den ueblichen “wir nehmen Sicherheit sehr ernst”-Floskeln. Sondern mit Konsequenzen!
Und nur einen Tag spaeter legt Kalifornien nach. Dort wurden Meta und YouTube zu Schadensersatzzahlungen verurteilt, weil sie absichtlich Produkte entwickelt haben sollen, die junge Nutzerinnen und Nutzer suechtig machen. Allein diese Formulierung ist ein Erdbeben. Nicht “unglueckliche Nebenwirkungen”, nicht “leider schwer kontrollierbare Effekte”, sondern: absichtlich. Vorsaetzlich. Bewusst!

Das Urteil ist deshalb so brisant, weil es einen Perspektivwechsel markiert... Weg von der Frage, was Nutzerinnen und Nutzer auf den Plattformen posten. Hin zu der viel wichtigeren Frage, wie diese Plattformen gebaut wurden?
Endlosscrollen
Autoplay
Like-Mechaniken
Belohnungsschleifen
Algorithmische Verstärkung
All das sind keine neutralen Designentscheidungen... sad sind Hebel. Und sie wurden gesetzt, weil sie wirken!
Genau hier wird es auch juristisch spannend. Denn in den USA geniessen Plattformen seit Jahrzehnten einen weitreichenden Schutz vor Haftung fuer nutzergenerierte Inhalte.
Dieser Schutzschild war einer der zentralen Gruende dafuer, dass sich Social Media ueberhaupt so explosiv entwickeln konnte. Doch die Klaeger in Kalifornien haben einen anderen Weg gewaehlt. Sie sagen nicht: Die Nutzerinhalte sind das Problem. Sie sagen: Das Produktdesign ist das Problem. Die Plattform selbst ist fehlerhaft konstruiert.

Und damit steht ploetzlich nicht mehr nur das Verhalten einzelner User zur Debatte, sondern das Fundament der gesamten Branche.
Europa hat vorgelegt
Wer sich die Argumentation anschaut, versteht sofort, warum das fuer Big Tech so gefaehrlich ist. Denn wenn Gerichte anerkennen, dass diese Plattformen bewusst so designt wurden, dass sie insbesondere Kinder und Jugendliche moeglichst lange binden, dann reden wir nicht mehr ueber ein paar kosmetische Korrekturen am Interface. Dann reden wir ueber das eigentliche Kerngeschaeft. Ueber das, worauf die Bewertung dieser Unternehmen in Wahrheit gebaut wurde.

Und genau deshalb lohnt sich der Blick nach Europa. Denn vieles von dem, was in Kalifornien vor Gericht verhandelt wird, erinnert frappierend an das, was die EU im Rahmen des Digital Services Act Plattformen wie TikTok bereits vorwirft.
Auch dort geht es um Designentscheidungen, die Menschen moeglichst lange in der App halten sollen. Auch dort geht es um Endlosscrollen, Autoplay und unzureichende Schutzmechanismen fuer Minderjaehrige. Auch dort geht es um die simple, aber unangenehme Wahrheit, dass diese Plattformen nicht zufaellig problematisch geworden sind, sondern genau so funktionieren sollten.
Das ist der Punkt, an dem Europa jetzt Rueckenwind bekommt. Und zwar ausgerechnet aus den USA.

Denn waehrend US-Diplomaten in Bruessel davor warnen, man duerfe Technologiekonzerne nicht ueberregulieren, passiert zuhause etwas ganz anderes: Gerichte und Behoerden beginnen, das Geschaeftsmodell dieser Konzerne grundlegend zu hinterfragen. Das ist nicht irgendein Widerspruch. Das ist die offene Kollision zwischen geopolitischer Interessenpolitik und der Realitaet der gesellschaftlichen Schaeden, die diese Plattformen angerichtet haben.
Big Techs Vielfronten-Krieg
Und ja, die Liste der Fronten wird laenger. Spanien geht gegen KI-generierte Missbrauchsdarstellungen von Minderjaehrigen vor. Die Niederlande haben xAI angewiesen, die Erstellung und Verbreitung von Deepfake-Nacktbildern ohne Zustimmung zu stoppen. Grossbritannien kuendigt ein haerteres Vorgehen gegen gefaehrliche KI-Chatbots an. Ueberall entstehen neue Linien, an denen Plattformen und KI-Anbieter ploetzlich nicht mehr als unaufhaltsame Innovationsmaschinen behandelt werden, sondern als Akteure mit Verantwortung.
Das Entscheidende daran ist: Das alles sind keine isolierten Einzelfaelle mehr. Es verdichtet sich zu einem Muster!

In den USA laufen tausende Klagen gegen Social-Media-Unternehmen. Schulbezirke, Generalstaatsanwaelte, Einzelpersonen und Institutionen versuchen, Konzerne fuer die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Schaeden haftbar zu machen, die ihre Produkte mitverursacht haben sollen. Und wer sich wundert, warum Zuckerberg, Musk und Co. in den vergangenen anderthalb Jahren politisch ploetzlich ganz neue Prioritaeten entwickelt haben, der bekommt hier einen ziemlich guten Hinweis: Sie wissen, was auf dem Spiel steht!

Denn was hier juristisch angegriffen wird, ist nicht irgendein Feature, irgend ein neues Format, welches wir alle ganz schnell und moeglichst als Erste bespielen sollten...
Es ist die Maschine selbst.
Die Architektur der Aufmerksamkeitsausbeutung.
Die Logik, nach der Wut, Angst, Erregung und Abhaengigkeit keine Kollateralschaeden, sondern profitable Signale sind. Je laenger Nutzerinnen und Nutzer bleiben, desto mehr Werbung kann ausgespielt werden. Je hoeher die emotionale Aufladung, desto hoeher das Engagement. Je juenger die Zielgruppe, desto frueher beginnt die Bindung.
Diese Plattformen wurden nicht trotz ihrer schaedlichen Wirkungen so erfolgreich. Sie wurden auch wegen dieser Wirkungen so erfolgreich.
Was hier reguliert werden soll, ist nicht Innovation. Es ist ein Geschaeftsmodell, das auf systematischer Manipulation von Aufmerksamkeit basiert und dabei gesellschaftliche Kosten externalisiert.
Es kommt die Zeit, oooohoooo...
Und deshalb wird die naechste Phase entscheidend sein. Wenn die EU ernst meint, was sie mit dem Digital Services Act begonnen hat, dann darf sie sich jetzt nicht einschuechtern lassen. Nicht von diplomatischem Druck, nicht von Lobbykampagnen, nicht von den ewigen Warnungen, Innovation koenne abgewuergt werden.
Was hier reguliert werden soll, ist nicht Innovation. Es ist ein Geschaeftsmodell, das auf systematischer Manipulation von Aufmerksamkeit basiert und dabei gesellschaftliche Kosten externalisiert.
Ich glaube, dass die Welt sich noch mal ändern wird
Und dann Gut über Böse siegt
Dass irgendjemand uns auf unseren Wegen lenkt
Und unser Schicksal in die Hände nimmt
Wünsch dir was - Die Toten Hosen
Wenn Endlosscrollen, Autoplay und aehnliche Mechaniken tatsaechlich eingeschraenkt oder abgeschaltet werden, dann trifft das nicht irgendein Feature. Dann trifft es den Kern dieser Plattformen. Dann wird ausgerechnet das beschnitten, was ihre Profitmaschine jahrzehntelang angetrieben hat. Und genau deshalb ist der Widerstand der Konzerne so heftig.
Ganz ehrlich: Ich wuerde dem keine Traene nachweinen.
Im Gegenteil. Ich glaube, wir erleben gerade den Anfang vom Ende von Social Media, so wie wir es in den letzten zwanzig Jahren kennengelernt haben. Nicht das Ende digitaler Vernetzung. Nicht das Ende von Kommunikation im Netz. Aber moeglicherweise das Ende eines Modells, das auf maximaler Suchtwirkung, minimaler Verantwortung und grenzenloser Externalisierung gesellschaftlicher Schaeden beruhte.
Und das waere nicht nur ueberfaellig. Das waere verdammt noch mal gut!
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Falls ihr meinen Musk Podcast von der letzten Woche nicht mitbekommen habt... schaut mal hier:
Ich hab wieder ordentlich Fahrt aufgenommen... Zurueck in meiner Wahlheimat, der Jetlag ist durch und ich bin voller Energie die naechsten Wochen volley zu nehmen.
Die braucht es auch, denn schiesslich steht morgen auch der 50. Jahrestag der Apple-Gruendung an... heisst also, dass ihr den Podcast unbedingt abonnieren sollten!
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Alles wird gut!
Sascha


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